Datum Wissenswelten
29. September 1988: Zwei Jahre nach der Explosion der Challenger schickt die NASA die Discovery ins Weltall. Der Blick auf die Erde von oben hat sich seitdem stark verändert.
Einführung: Georg Döcker
Kommentar: Franz Viehböck
Einführung
Sie hatte vor, vom All aus ihre Schüler zu unterrichten, ihnen den Weltraum direkt zu vermitteln. Die 37-jährige Christa McAuliffe war unter 11.400 US-Lehrern, die sich für den Trip ins All beworben hatten, ausgewählt worden, in der Raumfähre Challenger mitzufliegen. 73 Sekunden nach dem Start war sie tot. Wie die sechs anderen Astronauten, die mit an Bord waren. Die Raumfähre explodierte, weil die Dichtungen des rechten Raketenantriebs leck gewesen waren. Nach zwei Jahren hatten sich die USA vom Challenger-Schock erholt.
Am 29. September 1988 setzte die NASA (National Aeronautics and Space Administration) mit dem Start der bemannten Raumfähre Discovery ihr Programm fort. Die fünf Astronauten der Discovery hoben von Cape Canaveral ab, testeten während des Flugs unter anderem die Infrarotdatenübertragung in der Schwerelosigkeit und landeten nach vier Tagen wieder auf der Erde. Nicht die Erkundung des Weltraums zählte, sondern dessen kommerzielle Nutzung durch Wetter-, TV- und GPS-Satelliten.
Das All wurde zum Tourismusgebiet: Der US-Unternehmer Dennis Tito zahlte 2001 20 Millionen Dollar, um mit einer russischen Sojus-Kapsel zur International Space Station (ISS) zu fliegen. Mit dem SpaceShipOne erreichte 2004 die erste Raumfähre den Weltraum, die privat finanziert wurde. Jahrzehntelang war er Schauplatz des Kalten Kriegs gewesen: Die UdSSR war den USA in der Weltraumforschung 1957 mit Sputnik 1, dem ersten Satelliten in einer Erdumlaufbahn, weit voraus. Dem konnten die USA bis 1961 nur einen 16-minütigen Flug in der Erdatmosphäre entgegensetzen. Als US-Präsident John F. Kennedy versprach, „noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen“, war die Raumfahrt endgültig zum Politikum geworden.
Am 20 Juli 1969 landete Apollo 11 auf dem Mond, und Neil Armstrong verkündete: „That’s one small step for a man, one giant leap for mankind.“ Die USA bauten ihre Führungsrolle 1981 mit dem Start der ersten Raumfähre Columbia aus. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion endete das Wettrüsten im All. Das neue Russland war in Geldnot, musste kooperieren. 1997 dockte erstmals eine US-Raumfähre an der Raumstation Mir an (die 2001 wegen Technikmängeln zerstört wurde), und Russland beteiligte sich an der Umsetzung der internationalen Raumstation ISS, die 2001 fertig gestellt wurde.
Nach heutigem Stand planen die USA, sich ab 2010 nicht mehr aktiv an der ISS zu beteiligen. Sie wollen sich auf ihr langfristiges Ziel konzentrieren: eine bemannte Raumfähre zum Mars.
Kommentar
Die gelungene Mission der Discovery zwei Jahre nach der Challenger-Katastrophe 1986 war eine historische Zäsur. Als die Raumfähre startete, wusste man noch nicht, dass der Kalte Krieg, der mit erheblichen finanziellen Mitteln auch im Weltall geführt wurde, bald vorbei sein würde. Mit dem Ende des Kalten Krieges fiel die Motivation für einen großen Teil der bis zu diesem Zeitpunkt vorwiegend staatlich finanzierten Raumflüge weg.
Trotzdem hat die Raumfahrt seitdem wenig an Faszination eingebüßt – wie die weltweite Aufregung über die jüngste Landung der Discovery beweist. Die Überwindung des Ost-West-Konflikts hat in Sachen Weltraumforschung viel Gutes bewirkt. Zwar geht es seitdem mit bedeutend weniger Geld weiter – aber genau aus diesem Grund hat sich die Zusammenarbeit internationalisiert. Die Raumstation ISS, bei der neben Russland und den USA auch Japaner, Kanadier und europäische Länder dabei sind, ist dafür ein Paradebeispiel.
Was sich außerdem geändert hat: Früher dominierten strategische Interessen, heute sind es vor allem wirtschaftliche. Am kommerziellen Sektor mischen heutzutage alle mit: die Russen, die Amerikaner, die Europäer, mittlerweile auch schon die Chinesen. Auch das Aufkommen des „Weltraumtourismus“ halte ich für begrüßenswert – ich persönlich hoffe, dass künftig mehr Menschen die Möglichkeit haben, ins Weltall zu fliegen. Warum? Es ist im buchstäblichen Sinn wichtig, sich die Welt von außen anzusehen – unter anderem, um zu erkennen, welche Schäden der Mensch bereits an der Umwelt angerichtet hat. Wenn man das mit eigenen Augen gesehen hat, hat man einen anderen Zugang zu Themen wie Umweltschutz als jemand, der „am Boden“ sitzt.
Ich kenne Astronauten und Kosmonauten, die die Entwicklung der Erde über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren aus dem All verfolgt haben und die teilweise dramatisch berichten, wie sich die Situation verschlechtert hat. Trotzdem darf der wissenschaftliche Aspekt künftig nicht zu kurz kommen. Wir müssen erfahren, wie es auf anderen Planeten aussieht. Vielleicht sind ja da und dort Parallelen zur Entwicklung der Erde erkennbar. Vielleicht können wir aus der Antwort auf die Frage, wie es früher am Mars ausgesehen hat, für uns etwas ableiten. Es ist heute fast 14 Jahre her, dass ich „oben“ war. Ich habe dabei eine enorme Portion Erfahrung mitgenommen. Ich wünsche jedem Menschen, dass er einmal die Gelegenheit hat, so etwas zu erleben. Ich würde es jederzeit wieder tun.
Sie hatte vor, vom All aus ihre Schüler zu unterrichten, ihnen den Weltraum direkt zu vermitteln. Die 37-jährige Christa McAuliffe war unter 11.400 US-Lehrern, die sich für den Trip ins All beworben hatten, ausgewählt worden, in der Raumfähre Challenger mitzufliegen. 73 Sekunden nach dem Start war sie tot. Wie die sechs anderen Astronauten, die mit an Bord waren. Die Raumfähre explodierte, weil die Dichtungen des rechten Raketenantriebs leck gewesen waren. Nach zwei Jahren hatten sich die USA vom Challenger-Schock erholt.
Am 29. September 1988 setzte die NASA (National Aeronautics and Space Administration) mit dem Start der bemannten Raumfähre Discovery ihr Programm fort. Die fünf Astronauten der Discovery hoben von Cape Canaveral ab, testeten während des Flugs unter anderem die Infrarotdatenübertragung in der Schwerelosigkeit und landeten nach vier Tagen wieder auf der Erde. Nicht die Erkundung des Weltraums zählte, sondern dessen kommerzielle Nutzung durch Wetter-, TV- und GPS-Satelliten.
Das All wurde zum Tourismusgebiet: Der US-Unternehmer Dennis Tito zahlte 2001 20 Millionen Dollar, um mit einer russischen Sojus-Kapsel zur International Space Station (ISS) zu fliegen. Mit dem SpaceShipOne erreichte 2004 die erste Raumfähre den Weltraum, die privat finanziert wurde. Jahrzehntelang war er Schauplatz des Kalten Kriegs gewesen: Die UdSSR war den USA in der Weltraumforschung 1957 mit Sputnik 1, dem ersten Satelliten in einer Erdumlaufbahn, weit voraus. Dem konnten die USA bis 1961 nur einen 16-minütigen Flug in der Erdatmosphäre entgegensetzen. Als US-Präsident John F. Kennedy versprach, „noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen“, war die Raumfahrt endgültig zum Politikum geworden.
Am 20 Juli 1969 landete Apollo 11 auf dem Mond, und Neil Armstrong verkündete: „That’s one small step for a man, one giant leap for mankind.“ Die USA bauten ihre Führungsrolle 1981 mit dem Start der ersten Raumfähre Columbia aus. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion endete das Wettrüsten im All. Das neue Russland war in Geldnot, musste kooperieren. 1997 dockte erstmals eine US-Raumfähre an der Raumstation Mir an (die 2001 wegen Technikmängeln zerstört wurde), und Russland beteiligte sich an der Umsetzung der internationalen Raumstation ISS, die 2001 fertig gestellt wurde.
Nach heutigem Stand planen die USA, sich ab 2010 nicht mehr aktiv an der ISS zu beteiligen. Sie wollen sich auf ihr langfristiges Ziel konzentrieren: eine bemannte Raumfähre zum Mars.
Kommentar
Die gelungene Mission der Discovery zwei Jahre nach der Challenger-Katastrophe 1986 war eine historische Zäsur. Als die Raumfähre startete, wusste man noch nicht, dass der Kalte Krieg, der mit erheblichen finanziellen Mitteln auch im Weltall geführt wurde, bald vorbei sein würde. Mit dem Ende des Kalten Krieges fiel die Motivation für einen großen Teil der bis zu diesem Zeitpunkt vorwiegend staatlich finanzierten Raumflüge weg.
Trotzdem hat die Raumfahrt seitdem wenig an Faszination eingebüßt – wie die weltweite Aufregung über die jüngste Landung der Discovery beweist. Die Überwindung des Ost-West-Konflikts hat in Sachen Weltraumforschung viel Gutes bewirkt. Zwar geht es seitdem mit bedeutend weniger Geld weiter – aber genau aus diesem Grund hat sich die Zusammenarbeit internationalisiert. Die Raumstation ISS, bei der neben Russland und den USA auch Japaner, Kanadier und europäische Länder dabei sind, ist dafür ein Paradebeispiel.
Was sich außerdem geändert hat: Früher dominierten strategische Interessen, heute sind es vor allem wirtschaftliche. Am kommerziellen Sektor mischen heutzutage alle mit: die Russen, die Amerikaner, die Europäer, mittlerweile auch schon die Chinesen. Auch das Aufkommen des „Weltraumtourismus“ halte ich für begrüßenswert – ich persönlich hoffe, dass künftig mehr Menschen die Möglichkeit haben, ins Weltall zu fliegen. Warum? Es ist im buchstäblichen Sinn wichtig, sich die Welt von außen anzusehen – unter anderem, um zu erkennen, welche Schäden der Mensch bereits an der Umwelt angerichtet hat. Wenn man das mit eigenen Augen gesehen hat, hat man einen anderen Zugang zu Themen wie Umweltschutz als jemand, der „am Boden“ sitzt.
Ich kenne Astronauten und Kosmonauten, die die Entwicklung der Erde über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren aus dem All verfolgt haben und die teilweise dramatisch berichten, wie sich die Situation verschlechtert hat. Trotzdem darf der wissenschaftliche Aspekt künftig nicht zu kurz kommen. Wir müssen erfahren, wie es auf anderen Planeten aussieht. Vielleicht sind ja da und dort Parallelen zur Entwicklung der Erde erkennbar. Vielleicht können wir aus der Antwort auf die Frage, wie es früher am Mars ausgesehen hat, für uns etwas ableiten. Es ist heute fast 14 Jahre her, dass ich „oben“ war. Ich habe dabei eine enorme Portion Erfahrung mitgenommen. Ich wünsche jedem Menschen, dass er einmal die Gelegenheit hat, so etwas zu erleben. Ich würde es jederzeit wieder tun.
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