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Datum Lebensarten

30. September 1955: Der Schauspieler James Byron Dean kommt bei einem Autounfall ums Leben. Seiner Karriere tat das bis heute keinen Abbruch.

Einführung: Sophia Roma Weyringer
Kommentar: Claus Tieber

Einführung

„Take it easy driving. The life you might save could be mine!“ 13 Tage nachdem er einen Werbespot für das National Highway Comittee mit diesem Satz beendet hat, rast James Byron Dean am 30. September 1955 um 17.45 Uhr in der Nähe von Cholame in Kalifornien in einen Ford Sedan, der den Porsche 550 Spyder des 24-jährigen Geschwindigkeitsfanatikers übersehen hat. Dean ist sofort tot, sein mitgereister Mechaniker überlebt schwer verletzt.

Die Geburt eines Mythos: Bis heute huldigen Websites, Fanklubs, Bücher und Filme sowie ein eigens eingerichtetes Museum in seinem Heimatort Fairmount in Indiana dem androgynen Schauspieler, über den John Lennon einst sagte, dass es ohne ihn vielleicht die Beatles nicht gegeben hätte. Den Gipfel seines Ruhms erklomm Dean im Amerika der Fünfziger, einer Zeit, die einerseits im Zeichen des Wirtschaftswunders stand, andererseits von großen gesellschaftlichen Spannungen geprägt war. Die Regierung des Weltkriegsgenerals Dwight D. Eisenhower reagierte auf die Probleme, die die Rückkehr hunderttausender Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Koreakrieg mit sich brachte, mit einer konservativen Gesellschaftspolitik.

In dieser Zeit erschuf Dean das Bild des juvenilen Rebellen neu. Während Marlon Brando als Anführer einer Rockergang in „The Wild One“ 1953 eine ganze Kleinstadt terrorisierte, richtete sich Deans Rebellion nach innen, gegen sich selbst. Ob als widerspenstiger Sohn einer bürgerlichen Familie („East Of Eden“, 1954), als aggressiver, schüchterner Teenager („Rebel Without A Cause“, 1955) oder als verbitterter, einsamer Öl-Magnat („Giants“, 1955) – die Kinder der Mittelklasse teilten den Zorn und die Aufsässigkeit seiner Figuren.

James Dean kommt am 8. Februar 1931 in Marion, Indiana, als Sohn des Zahntechnikers Winton Dean und dessen Frau Mildred auf die Welt. Nach dem frühen Tod der Mutter wächst er auf der Farm seines Onkels nahe Fairmount auf. Bereits als Kind spielt er Violine, steppt und versucht sich am Schultheater. 1950 geht Dean nach Kalifornien, beginnt ein Schauspielstudium an der UCLA School of Theater, Film and Television in Los Angeles und verdient Geld mit Theater und Werbespots. Er übersiedelt nach New York, debütiert 1952 am Broadway.

Zwei Jahre später erhält er für die Hauptrolle in „Die Unmoralischen“ von Andre Giger den Daniel-Blum-Preis als bester Nachwuchsdarsteller. Dean folgt dem Ruf Hollywoods – und dreht innerhalb von zwölf Monaten drei Filme. Er sollte nur einen von ihnen zu sehen bekommen – als „Rebel Without A Cause“ und „Giants“ Premiere feiern, ist James Dean bereits tot.


Kommentar

„Great career move, kid“, meinte ein Hollywoodproduzent etwas zynisch, aber keineswegs unrealistisch zu James Deans frühem Tod. Der Mann sollte Recht behalten. Deans enorme Popularität ist auch auf den Umstand zurückzuführen, dass sein Star-Image erstaunlich ambivalent ist. Dies sowohl in Hinsicht auf sein Männlichkeitsbild als auch auf sein viel beschworenes Rebellentum. So konnte Dean zur Projektionsfläche für die durchaus unterschiedlichen Träume von Millionen von Teenagern werden. Jeder weitere Film hätte Deans Image zwangsläufig konkreter, eindeutiger gemacht.

Dean verkörperte wie Marlon Brando oder Montgomery Clift den Typus des Rebellen. Sein Aufbegehren war ein gefühlsmäßiges, inhaltlich blieb es unbestimmt. Dabei waren seine Filme durchaus konservativ. Sowohl in „Jenseits von Eden“ als auch in „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ geht es letztlich um die berühmten Family Values. In beiden Filmen kommt es am Ende zur Versöhnung mit dem Vater, mit der Familie. Die Filme James Deans stellen weniger eine Kritik an der traditionellen Familie dar als vielmehr deren Wiederbelebung. Der eigentliche Rebell in „… denn sie wissen nicht, was sie tun“, der von Sal Mineo gespielte Plato, muss denn auch am Ende sterben.

Deans Image war seit seinem Tod immer wieder Popularitätsschwankungen unterworfen. In den späten Sechzigern und Siebzigern etwa, als die Revolte der Jugend keine rein gefühlsmäßige, sondern eine zunehmend politische wurde, war James Dean weniger gefragt. Erst in den Achtzigern sollte man sich wieder verstärkt an ihn erinnern. Ausgerechnet Michael J. Fox sollte in „Zurück in die Zukunft“ in einem Setting agieren, das „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ zum Fifties-Themenpark degradiert.

Die von Fox gespielte Figur rebelliert nicht mehr gegen ihre Familie, sie muss vielmehr dafür sorgen, dass diese überhaupt gegründet wird. Deans bleibendes Verdienst war es, den traditionellen Männlichkeitsbildern seiner Vorgänger das Bild eines weicheren und sensiblen Mannes gegenübergestellt zu haben. Der Typus des Rebellen war in den Fünfzigern nicht nur in dieser „feminisierten“ Form wie bei Dean und Montgomery Clift, sondern auch in seiner aggressiveren, offen sexuellen wie bei Marlon Brando im Angebot Hollywoods.

Ein früher Tod schützt zwar vor einem Ende als alternder, fetter Ex-Star; Ruhm für alle Ewigkeit sichert er allerdings auch nicht. James Dean hingegen wird noch lange ein Role Model von sich unverstanden glaubenden Teenagern bleiben.

Offizielle Homepage:
www.jamesdean.com



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